Auszeit im Bush zwischen den Jahren

Wir machen in unserer chaotischen Reihenfolge der Reiseberichte zu unserem letzten Südafrika-Aufenthalt weiter und springen nun ganz an den Anfang.

Weihnachten kamen Flo und ich in Johannesburg an und spürten schnell, dass wir raus in die Natur wollten nach all dem Stress, den wir noch zuvor in der Schweiz hatten. Hinzu kam, dass Joburg über die Feiertage nicht ganz so spannend und aufregend wie sonst im Jahr ist. Die Stadt verfällt in eine Art Weihnachtsschlaf. Die meisten Johannesburger fliehen über die Feiertage aus der Stadt, am besten irgendwo ans Meer und dementsprechend ist die grosse Mehrzahl der Restaurants, Bars und Cafes geschlossen und auch sonstige Aktivitäten finden kaum statt. 

Gemütlicher Braai-Abend in unserer Holzhütte von Magoebaskloof Getway
Gemütlicher Braai-Abend in unserer Holzhütte von Magoebaskloof Getway

Nebst ein wenig Sightseeing verbrachten wir unsere ersten Tage in Joburg also hauptsächlich damit, nach offenen Restaurants und später dann nach spontan noch verfügbaren Unterkünften ausserhalb zu suchen. Damit hatten wir uns natürlich ein wenig erfolgsversprechendes Unterfangen eingehandelt, denn die Feiertage fallen in Südafrika in die grossen Sommerferien, weswegen das halbe Land im Urlaub ist und die Unterkünfte nur noch sehr spärlich vorhanden sind. Flo musste also sein ganzes Buchungsgeschick, inklusive einiger charmanter Telefonate, präsentieren, um uns schliesslich doch noch einige tolle Unterkünfte zu buchen. Vorangegangen war eine Anfrage von dem Anbieter ReturnAfrica, bei dem wir schon mehrfach im Pafuri Camp im nördlichen Kruger Nationalpark gebucht hatten. Das Baobab Hill Bush House war zwischen Weihnachten und Silvester für einige Nächte frei und bei dem tollen Angebot, welches uns ReturnAfrica offerierte, konnten wir kaum Nein sagen. Wir wussten, dass unsere Freundin Jay aus Johannesburg mit an Board war, und brauchten nur noch ein paar weitere Nächte auf dem Weg in den Kruger, um die lange Fahrstrecke nicht am Stück fahren zu müssen. Ausserdem sollte sich der Ausflug in den Bush ja auch lohnen. Jays Mann Jan konnte uns auf diesem Trip leider nicht begleiten, weil er sich zu der Zeit in Botswana aufhielt.

Durch riesige Zufälle (kurzfristig stornierte Unterkünfte) und ein wenig Glück fanden wir also noch weitere Unterkünfte in der wunderschönen Waldregion von Tzaneen und im Kruger Park selbst. Im Kruger buchten wir tatsächlich die einzige und letzte verfügbare Unterkunft im gesamten Park! Und das war sogar noch - passend für uns - eine Hütte für drei Personen. 

Am zweiten Weihnachtsfeiertag holten wir also Jay ab, gingen zunächst noch in der Cresta Mall einkaufen und fuhren dann ab Richtung Magoebaskloof. Im Magoebaskloof Getaway konnten wir direkt an einem See gelegen eine Hütte inklusive Veranda für zwei Nächte mieten. Da wir Jay seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatten, gab es viel zu erzählen und wir genossen die Zeit zusammen in vollen Zügen.
Lustigerweise war die Südafrikanerin Jay zuvor noch nie in der Magoebaskloof Region und so hatten wir Freude ihr all unsere Lieblingsplätze in der Region zu zeigen. Wir hatten auch richtig gutes Wetter und nie Regen, was für diese Region in der Jahreszeit eher ungewöhnlich ist. Bei unseren vorherigen Aufenthalten regnete es entweder durchgängig oder in regelmässigen Abständen, aber dieses Mal hatten wir strahlenden Sonnenschein. Wir besuchten die Debegeni Wasserfälle und wanderten durch den dichten Urwald vom Woodbush Forest. Ich liebe diese Waldregion, allerdings hat sie mir bei Regen, oder sagen wir nach einem Regenschauer, glitzernd voller Wassertropfen und so wunderbar klar und frisch grün, noch etwas besser gefallen. 

Am Abend wurde natürlich gegrillt und der erste Tag Revue passieren gelassen. 

Am nächsten Tag hatten wir uns zu einem kleinen Abenteuer angemeldet. Es ging zu einer Canopy Tour. An Stahlseilen gesichert rast man meist oberhalb der Baumwipfel, über Wasserfälle und entlang von Schluchten durch grossartige Natur. Flo und ich hatten auf unseren 180 Tagen bereits in Swaziland eine solche Tour gebucht und bereits dort sehr viel Spaß gehabt. Bei meinen ersten Versuchen in Swaziland doch noch sehr vorsichtig und leicht skeptisch bis ängstlich, konnte ich nun hier diesen Status komplett überspringen und sofort mit dem Spaß haben beginnen. Auch Flo und Jay gefiel die Canopy Tour sehr und viel zu schnell war alles wieder vorbei. Mit unseren beiden Guides warteten wir anschliessend auf das Auto vom Veranstalter, was vom Hauptgebäude losgefahren war und uns abholen sollte. Wir warteten und unsere Guides wurden langsam sichtlich nervös. Auf die Funkanfragen kamen keine Antworten mehr und schliesslich beschlossen wir dem Auto bereits ein Stück entgegen zu laufen. Flo begann scherzend die Geschichte von unserer Canopy Tour in Swaziland zu erzählen, als das Fahrzeug, welches uns abholen sollte einen Achsenbruch erlitt und wir fast den ganzen Weg (knapp 10 km) in der Nachmittagshitze ohne Wasser laufen mussten, weil alle Ersatzfahrzeuge in der Werkstatt oder beim Einkaufen waren. 

Mit Jay auf Canopy Tour in Magoebaskloof
Mit Jay auf Canopy Tour in Magoebaskloof

Zurück auf unserer Canopy Tour in Magoebaskloof bogen wir um die nächste Ecke und sahen auf einmal den Toyota Hilux, der uns eigentlich abholen sollte. Wahrscheinlich aufgrund überhöhter Geschwindigkeit war er vom engen Waldweg abgekommen und hing nun in einem merkwürdigen Winkel in der Böschung. Die Fahrerin stand den Tränen nahe, aber zum Glück unverletzt daneben. Für uns war bereits ein zweites Auto auf dem Weg, welches nicht lange auf sich warten liess und auch noch weitere Mitarbeiter mitbrachte, die sich um das verkeilte Auto und die arme Fahrerin kümmern konnten.

Im Auto auf dem Rückweg zum Hauptgebäude guckten Flo und ich uns nur an und konnten es nicht glauben. Scheinbar haben wir aus irgendeinem Grund einen schlechten Einfluss auf die Fahrzeuge des Unternehmens...

Birding-Highlight: Narina Trogon
Birding-Highlight: Narina Trogon

Bevor es für uns am nächsten Morgen weiter Richtung Kruger Nationalpark ging, hatten Flo und Jay eine geführte Wanderung durch den Wald um Kurisa Moya gebucht, um mit einem  Birding Guide die speziellen Arten der Region zu finden. Beide kamen sehr begeistert und mit einigen tollen Aufnahmen wieder zurück.

Wir machten uns nach einem schnellen Frühstück auf den Weg und freuten uns alle tierisch auf die kommenden Safari-Tage. Ich liebe es mit Menschen wie Jay unterwegs auf Safari zu sein und von ihrem grossen Wissensschatz profitieren zu können. Jedes Mal im Bush gibt es hunderte Dinge, die ich dazu lerne und die noch faszinierender sind, als all das, was ich bereits weiss. Flo und Jay konnten sich gegenseitig als begeisterte Birder mit ihren Vogelsichtungen anstacheln und konnten tatsächlich bereits auf der ersten Fahrt durch den Park zu unserer nächsten Unterkunft im Shingwedzi Camp einige tolle Sichtungen verzeichnen. Auch wenn ich mich sicher nicht als Birder bezeichnen würde, kann ich mittlerweile die Faszination für Vögel ein Stückchen mehr nachvollziehen. Vor einigen Jahren, als das Vogel-Bestimmungsbuch "Sasol - Birds of Southern Africa" neu mit auf Reisen kam, konnte ich dieser schier unüberblickbaren Masse an verschiedenen Vögeln überhaupt nichts abgewinnen. Teilweise musste ich Flo sogar mit meiner Safari-Regel "bunt oder gross" als einzige Kriterien, um für einen Vogel zu halten, bremsen. Aber nun, wo der Bird Guide bereits von den vielen Reisen und Game Drives gezeichnet ist, einige Notizen enthält und der Buchrücken langsam zerfleddert, kann ich mich mehr und mehr für die Spezies Vögel begeistern. Wahrscheinlich sucht man als erfahrener Safarigänger mit der Zeit einfach nach neuen Herausforderungen und da kommen die etwa 950 Vogelarten im südlichen Afrika gerade recht. 

Drei Betten und ein Kühlschrank im Raum in Shingwedzi...
Drei Betten und ein Kühlschrank im Raum in Shingwedzi...

Im Shingwedzi Camp angekommen bezogen wir unsere 3er-Hütte und statteten dem Camp Restaurant einen Besuch ab. Unsere Hütte hatte keine eigene Küche und kein Badezimmer, sondern nur einen Kühlschrank und ein Waschbecken. Für die Dusche und das WC mussten wir also auf die Gemeinschaftseinrichtungen zurückgreifen, was aber vor allem für eine Übernachtung überhaupt kein Problem darstellt. Das Wetter war mittlerweile von angenehm sonnig auf stürmisch und schwül umgeschlagen. Trotz geöffneter Fenster schliefen wir alle nicht besonders gut und Flo hatte mit Magenkrämpfen zu kämpfen. Den eigentlich geplanten frühen Gamedrive bei Sonnenaufgang liessen wir deshalb spontan ausfallen und schliefen aus.

...das Baobab Hill Bush House für uns alleine in Pafuri
...das Baobab Hill Bush House für uns alleine in Pafuri

Der anschliessende etwas spätere Gamedrive war dann gleichzeitig unsere Fahrt in den Norden des Kruger Parks zum Pafuri Camp. Wir fuhren zunächst zur Hauptlodge und wurden dort sehr fröhlich begrüsst. Einige Mitarbeiter erkannten Flo und mich gleich wieder und es wurden ein paar alte Geschichten ausgetauscht von unseren vorherigen Aufenthalten. Etwas zerknautscht (er wurde aus seinem Mittagsschlaf gerissen) begrüsste uns wenig später auch unser Guide Wiseman, den wir bisher noch nie als Guide hatten. Bei Flo und mir wuchs die Vorfreude Jay endlich das Baobab Hill Bush House zeigen zu können, von dem wir ihr schon so viel vorgeschwärmt hatte. Zum Glück gefiel es ihr dann genauso gut wie uns und sie konnte unsere Begeisterung absolut nachvollziehen. 

Nachdem alles eingeräumt und in der Küche verstaut war, konnte es frisch geduscht zu unserem ersten Gamedrive mit Wiseman losgehen. 

Zu meiner grossen Erleichterung taute Wiseman nach kurzer Zeit auf und war sehr erfreut an unserer Neugier auf alle (!) Tiere und Vögel und bei Jay speziell noch auf Bäumen. Wiseman konnte uns bereits auf dem ersten Drive mit einem unglaublich grossen Wissen zu allen Lebewesen und Pflanzen im Busch beeindrucken und wir hatten es nach kurzer Zeit bereits sehr lustig mit ihm. Mit den riesigen Büffel- und Elefantenherden in der Luvuvhu-Ebene und der vielfältigen Naturwelt gab es dazu auch auf dem eher kurzen Drive bereits viel zu sehen. Nach dem Gamedrive, waren wir sehr dankbar für den Service im Baobab Hill Bush House, zu dem auch gehört, dass abends bei Rückkehr der Grill sowie ein Lagerfeuer am brennen sind und wir direkt mit dem Grillen loslegen konnten.

Fever Tree Forest
Fever Tree Forest

Es wurde ein sehr gemütlicher Abend am Feuer mit vielen Geschichten und Diskussionen. Irgendwann rief uns die Vernunft ins Bett, denn am nächsten Morgen hiess es aufstehen um 5 Uhr früh. Unser zweiter Gamedrive führte uns zum ersten Mal entlang des Flusses bis hin zum Crooks Corner mit dem Highlight des Fever Tree Forest, welchen wir zum ersten Mal so richtig besuchen konnten - ein grossartiger Ort! Dazu erneut viele Tiere, Vögel und ein kurzer Picnic-Stopp am Dreiländereck mit Zimbabwe und Mozambique. Anschliessend ging es zurück in die Unterkunft, wo wir nach einem leckeren Frühstück den Tag am Pool und auf der Terrasse genossen bei mittlerweile wieder wunderbar sonnigem Wetter.

Zum abendlichen Game Drive brachen wir etwas früher als am Tag zuvor auf, da wir eine lange Fahrstrecke vor uns hatten. Wir wollten aber unbedingt wieder zu unserem absoluten Lieblingsort in der Pafuri-Region, nämlich Lanner Gorge. Wir entschieden uns für die steinige, holprige Strecke, den direkten Weg, da wir für den Rückweg bei Dunkelheit sowieso die geteerte Strasse würden nehmen müssen. Auf der langen Fahrt hatte ich Gelegenheit Wiseman einige Fragen, die für meine Masterarbeit relevant sein würden, zu stellen. Es war sehr spannend von ihm aus erster Hand von der Zusammenarbeit zwischen der Makuleke Community und ReturnAfrica, die das Pafuri Camp betreiben, zu erfahren. ReturnAfrica hat mit der Community einen Pachtvertrag abgeschlossen und musste sich zu mehreren Auflagen der Gemeinschaft gegenüber verpflichten. So werden zum Beispiel Möglichkeiten für Ausbildungen im Guiding- oder Hospitality-Bereich vermittelt und Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit funktioniert gut und beide Seiten profitieren. Jäh unterbrochen wurde ich bei einer nächsten Frage als auf einmal zwei Nashörner vor uns auf dem schmalen Weg, den sich unser Land Cruiser hinaufquälte, standen und neugierig näher kamen. Eine komplett unerwartete Begegnung! Kurz zuvor hatte Wiseman noch darauf hingewiesen, dass es schwierig sei hier im nördlichen Teil die Big 5 zu sehen und die Chance Nashörner und Leoparden zu sehen sehr gering sei. Wir freuten uns also besonders über diese tolle Sichtung.  

Der anschliessende Sundowner am Lanner Gorch war wieder ein absolutes Highlight. Auch wenn ich bereits zum dritten Mal diesen Ort besuchen durfte, hatte er noch nichts von seiner Magie verloren. Jedes Mal war ich von neuem sprachlos und fasziniert von diesem grossartigen Ausblick, der Weite und den spektakulären Farben beim Sonnenuntergang. Lanner Gorge und der Blyde River Canyon mit den Three Rondavels an der Panorama Route sind meine absoluten Lieblingsorte in Südafrika. Und als ob der Drive nicht schon besonders genug gewesen wäre, sahen wir bei der Rückfahrt in der Dunkelheit völlig unerwartet einen stattlichen Leoparden unsere Strasse kreuzen. Wow, zuerst die Nashörner und jetzt noch dies - was für ein Glück. Als wir anschliessend auch noch einen Cape Fox, eine Genet und zwei Eulen sahen, konnten wir es kaum fassen. Das war mit Abstand die beste Ausbeute, die wir jemals auf so einem "kurzen Rückweg" hatten. Viel zu schnell ging auch dieser schöne Tag im Bush bei einem erneuten Braai und Lagerfeuer zu Ende.

Am nächsten Morgen verzichtete Jay auf den letzten Gamedrive, da sie ganz in Ruhe im Garten vom Haus den Morgen für sich geniessen und Tagebuch schreiben wollte. Flo und ich gingen also zu zweit mit Wiseman los für eine letzte Fahrt, wieder in eine andere Richtung zu den nördlichen Überflutungsflächen des Limpopo. Unser Wunsch nach einer abwechslungsreichen Landschaft und Elefanten wurden tatsächlich auch erfüllt und dementsprechend happy waren wir.

Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns auch bald auf den Weg, da eine lange Fahrstrecke vor uns lag. Für den Rückweg hatten wir uns entschieden die ganze Strecke zurück nach Johannesburg auf einmal zu fahren, was ca. 7 Stunden Fahrzeit bedeutete. Flo und ich wechselten uns mit dem Fahren ab und so konnten wir die lange Strecke gut bewältigen. Am Abend waren wir bei Sibylle und Thomas in unserer Airbnb-Wohnung zur Silvester-Feier eingeladen. An dem Abend lernten wir auch Daniel kennen, der für drei Monate bei Sibylle und Thomas wohnt und im Zuge seines Trainee-Programms beim südafrikanischen Sitz einer grossen Versicherung arbeitete. Wir verstanden uns auf Anhieb prima und verabredeten gleich einige gemeinsame Aktivitäten für die kommenden Wochen. Ohne grosses Feuerwerk, aber in sehr netter Gesellschaft stiessen wir um 0 Uhr auf das Jahr 2019 und unsere verbleibenden Wochen in Johannesburg und Südafrika an, von denen wir euch in den kommenden Artikeln mehr berichten werden. 

 

Herzliche Grüsse

Anika 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike (Sonntag, 17 März 2019 13:57)

    Hallo ihr zwei
    Neben dem kurzweiligen und zugleich informativem Text, haben mir die vielen tollen Fotos sehr gefallen. Es ist erstaunlich, dass man immer denkt, so fantastische Aufnahmen waren es noch nie - bis zum nächsten Blogeintrag ;)
    Danke für die Freude